Ohne Mascha wäre ich bei meiner Recherche in Russland verloren gewesen. Jede Homepage ohne englische Übersetzung wäre ein großes Rätsel geblieben. Jedes Telefonat ein Glücksspiel – kann mein Interviewpartner auch englisch? Jeder Termin wäre eine Irrfahrt geworden.
Im russisch-deutschen Tandem hat die Recherche aber gut funktioniert. Ich habe Ergebnisse in der Hand. Habe Antworten auf meine wichtigsten Fragen bekommen. Aber trotzdem ist es eine anstrengende, aufwändige und komplizierte Art zu arbeiten. Weil Zitate keine richtigen Zitate mehr sind, wenn sie übersetzt worden sind. Weil ich vollkommen abhängig war von Mascha und wenig Einfluss auf die Interviews hatte, wenn sie einmal liefen. Weil ich immer ein wenig das Gefühl hatte, Sklaventreiber zu sein mit meinen vielen Fragen und Wünschen. Und weil ich blindes Vertrauen haben musste…
Natürlich haben Mascha und ich uns vor den Interviews abgesprochen. Ich habe ihr erzählt, was ich mit meinem Artikel sagen will. Habe ihr gesagt, was meine wichtigsten Fragen sind. Habe die Aspekte erwähnt, die mir besonders wichtig sind. Aber so genau kann man sich gar nicht absprechen, dass nicht doch die kleinen Unsicherheiten bleiben. Die Unsicherheit, ob auch wirklich jede Frage gestellt wurde; die Unsicherheit, ob im Interview nicht vielleicht eine Andeutung überhört wurde; die Unsicherheit, ob bei der Übersetzung – deutsch, russisch, deutsch – nicht etwas Wichtiges verloren gegangen ist; einfach die Unsicherheit, nicht wie gewohnt alle Fäden in der Hand zu halten.
Es geht um Arbeitsweisen, die mir neu waren. Es geht um Abhängigkeiten, die durch fremde Umgebung und Sprache entstehen. Und es geht um die Art zu recherchieren. Denn: Die Recherche musste von Anfang an so strukturiert sein, wie sie es bei mir nicht immer ist…